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Hausmittel

Kamillentee

Beruhigt Magen und Nerven, lindert Entzündungen

Eigenschaften

magenschonend, beruhigend, entzündungshemmend

Kamillentee – Natürliches Hausmittel bei magenschmerzen und blaehungen
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Ernte & Mondphasen

Kamillenblüten bei zunehmendem Mond in Wasser-Zeichen ernten und verarbeiten.

Zunehmender Mond

Zutaten auf einen Blick

Zutat Menge Hinweis
Getrocknete Kamillenblüten 1–2 gehäufte TL Echte Kamille (Matricaria chamomilla)
Heißes Wasser 200 ml
child_care Ab 6 Monaten (verdünnt)
pregnant_woman In der Schwangerschaft geeignet
schedule Haltbarkeit: Frisch zubereitet sofort trinken

01 Zweck

Kamillentee ist eines der ältesten und bekanntesten Hausmittel der europäischen Volksmedizin. Bereits im antiken Ägypten wurde die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) als Heilpflanze verehrt, und bis heute hat sie nichts von ihrer Bedeutung verloren. Der Tee wird vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt – von leichten Magenschmerzen über Blähungen bis hin zu Übelkeit. Gleichzeitig entfaltet Kamillentee eine sanft beruhigende Wirkung auf das Nervensystem, weshalb er traditionell als Einschlafhilfe und bei innerer Unruhe getrunken wird. Die Kombination aus entzündungshemmenden, krampflösenden und beruhigenden Eigenschaften macht ihn zu einem echten Allrounder in der Hausapotheke. Ob als warmer Begleiter an kalten Abenden oder als gezieltes Mittel bei Beschwerden – Kamillentee gehört in jeden Haushalt.

02 Zutaten

Für eine Tasse Kamillentee benötigen Sie lediglich zwei Zutaten:

  • 1–2 gehäufte Teelöffel getrocknete Kamillenblüten – Achten Sie auf Echte Kamille (Matricaria chamomilla), erkennbar am hohlen Blütenboden und dem charakteristisch süßlich-aromatischen Duft. Apotheken- oder Bio-Qualität ist empfehlenswert, da diese Ware auf Schadstoffe geprüft wird.
  • 200 ml frisch aufgekochtes Wasser – Idealerweise lassen Sie das Wasser nach dem Kochen etwa 30 Sekunden abkühlen, damit die empfindlichen ätherischen Öle nicht sofort verdampfen.

Optional können Sie den Tee mit einem halben Teelöffel Honig süßen (nicht bei Kindern unter 12 Monaten) oder mit einem Spritzer Zitrone ergänzen.

03 Zubereitung

  1. Wasser aufkochen: Bringen Sie 200 ml frisches, kaltes Wasser zum Kochen. Verwenden Sie möglichst kein bereits abgestandenes oder mehrfach aufgekochtes Wasser.
  2. Kurz abkühlen lassen: Nehmen Sie den Wasserkocher vom Netz und warten Sie etwa 30 Sekunden. Die ideale Aufgusstemperatur liegt bei 90–95 °C.
  3. Kamillenblüten in die Tasse geben: Geben Sie 1–2 gehäufte Teelöffel getrocknete Kamillenblüten in ein Teesieb oder direkt in die Tasse.
  4. Aufgießen: Übergießen Sie die Blüten mit dem heißen Wasser.
  5. Abdecken und ziehen lassen: Decken Sie die Tasse mit einem Unterteller oder Deckel ab, damit die ätherischen Öle nicht mit dem Dampf entweichen. Lassen Sie den Tee 8–10 Minuten ziehen.
  6. Abseihen: Entfernen Sie das Teesieb oder seihen Sie die Blüten durch ein feines Sieb ab.
  7. Genießen: Trinken Sie den Tee warm, bei Bedarf leicht gesüßt.

04 Anwendung

  • Bei Magenbeschwerden: 3-mal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei akuten Krämpfen kann der Tee auch in kleinen Schlucken über den Tag verteilt getrunken werden.
  • Bei Blähungen: Eine Tasse nach dem Essen, langsam und in kleinen Schlucken.
  • Als Einschlafhilfe: Eine Tasse etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen.
  • Bei innerer Unruhe: Bei Bedarf bis zu 4 Tassen täglich.
  • Für Säuglinge (ab 6 Monaten): 1 Teelöffel Kamillenblüten auf 200 ml Wasser, nur 5 Minuten ziehen lassen, auf Trinktemperatur abkühlen lassen. Maximal 50 ml pro Gabe, verdünnt mit Wasser im Verhältnis 1:1.
  • Kur-Anwendung: Bei chronischen Magenbeschwerden kann eine 2–3-wöchige Kur mit 3 Tassen täglich durchgeführt werden. Danach eine Woche Pause einlegen.

05 Wirkprinzip

Die Wirkung des Kamillentees beruht auf einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe. Die wichtigsten sind:

  • Ätherisches Öl (Bisabolol, Chamazulen): Bisabolol wirkt stark entzündungshemmend und wundheilungsfördernd. Chamazulen entsteht erst beim Aufguss aus der Vorstufe Matricin und verleiht dem ätherischen Kamillenöl seine blaue Farbe. Es hemmt die Freisetzung von Entzündungsmediatoren.
  • Flavonoide (Apigenin): Apigenin bindet an GABA-Rezeptoren im Gehirn – dieselben Rezeptoren, an denen auch Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine wirken, allerdings deutlich sanfter. Dies erklärt die beruhigende und leicht angstlösende Wirkung.
  • Schleimstoffe: Diese legen sich wie ein schützender Film über die Magen- und Darmschleimhaut und lindern so Reizungen.
  • Cumarine und Phenolcarbonsäuren: Sie wirken krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts.

In der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) gilt die Kamille als „warm und trocken” – sie vertreibt Kälte aus dem Magen und löst Stagnation. Die Volksmedizin ordnet sie dem Element Feuer und der Sonne zu.

06 Sicherheit

Kamillentee gilt als eines der sichersten pflanzlichen Hausmittel. Dennoch gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Allergien: Personen mit einer bekannten Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae) – etwa Beifuß, Arnika oder Chrysanthemen – sollten Kamille meiden oder zunächst mit einer sehr kleinen Menge testen. Kreuzallergien sind möglich.
  • Schwangerschaft: Kamillentee ist in üblichen Trinkmengen (2–3 Tassen täglich) unbedenklich und wird sogar häufig bei Schwangerschaftsübelkeit empfohlen. Exzessive Mengen (mehr als 5 Tassen täglich) sollten vermieden werden.
  • Säuglinge und Kleinkinder: Ab 6 Monaten in verdünnter Form möglich. Nicht vor dem 6. Lebensmonat geben, da die Nieren noch nicht ausgereift sind.
  • Wechselwirkungen: Kamille kann die Wirkung von Blutverdünnern (Cumarin-Derivate) theoretisch verstärken. Bei gleichzeitiger Einnahme von Beruhigungsmitteln kann die sedierende Wirkung addiert werden.
  • Augenspülungen: Kamillentee sollte nicht für Augenspülungen verwendet werden – Feinstpartikel und Pollen können die Augen zusätzlich reizen.

07 Varianten

  • Kamillen-Fenchel-Tee: Mischen Sie Kamillenblüten und Fenchelsamen zu gleichen Teilen. Besonders wirksam bei Blähungen und Bauchkrämpfen bei Säuglingen.
  • Kamille-Pfefferminz-Mischung: Je 1 TL Kamille und Pfefferminze. Erfrischt und beruhigt gleichzeitig den Magen.
  • Kamille mit Honig und Ingwer: Eine Scheibe frischer Ingwer mitziehen lassen, nach dem Abseihen mit Honig süßen. Stärkt bei Erkältungen.
  • Kamillentee als Dampfbad: 2 EL Kamillenblüten in einer Schüssel mit heißem Wasser übergießen, Kopf mit einem Handtuch bedecken und 10 Minuten inhalieren. Hilft bei verstopfter Nase und Nebenhöhlenentzündung.
  • Kamille-Rollkur: Bei Magenschleimhautentzündung: Eine Tasse Kamillentee trinken und anschließend nacheinander je 5 Minuten auf dem Rücken, der linken Seite, dem Bauch und der rechten Seite liegen, damit der Tee alle Bereiche der Magenschleimhaut erreicht.

08 Haltbarkeit & Aufbewahrung

  • Getrocknete Kamillenblüten: In einem luftdichten, lichtgeschützten Gefäß (z. B. dunkles Schraubglas) an einem kühlen, trockenen Ort aufbewahren. Haltbarkeit: bis zu 1 Jahr. Nach dieser Zeit lässt der Gehalt an ätherischen Ölen deutlich nach.
  • Zubereiteter Tee: Frisch zubereitet sofort trinken. Abgekühlter Kamillentee kann im Kühlschrank bis zu 24 Stunden aufbewahrt und dann als Gesichtswasser oder für Umschläge verwendet werden. Nicht erneut als Trinktee aufwärmen.
  • Qualitätskontrolle: Gute Kamillenblüten duften intensiv aromatisch. Wenn der Duft nachlässt, haben die Blüten ihre Wirksamkeit verloren.

09 Quellen

Traditionelle Quellen:

  • Pfarrer Sebastian Kneipp: Meine Wasserkur (1886) – Kamille als Magenmittel
  • Maria Treben: Gesundheit aus der Apotheke Gottes (1980)
  • Hildegard von Bingen: Erwähnung der Kamille in Physica (12. Jh.)

Wissenschaftliche Quellen:

  • Srivastava, J. K., Shankar, E., & Gupta, S. (2010). Chamomile: A herbal medicine of the past with bright future. Molecular Medicine Reports, 3(6), 895–901.
  • ESCOP Monographs: Matricariae flos (2003)
  • Kommission E Monographie: Kamille, Blüten (1984, aktualisiert)
  • Amsterdam, J. D. et al. (2009). A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of oral Matricaria recutita (chamomile) extract therapy for generalized anxiety disorder. Journal of Clinical Psychopharmacology, 29(4), 378–382.

10 Querverweise

  • Pflanze: Kamille – Ausführliche Monographie mit Botanik, Inhaltsstoffen und Sammelhinweisen
  • Ätherisches Öl: Kamillenöl – Anwendung und Dosierung des ätherischen Öls
  • Verwandtes Hausmittel: Erkältungstee selber machen – Teemischung mit Kamille als Bestandteil
  • Verwandtes Hausmittel: Salbeitee zum Gurgeln – Ergänzende Anwendung bei Halsschmerzen

Häufig gestellte Fragen

Wie stelle ich Kamillentee her?
Für Kamillentee benötigst du 1–2 gehäufte TL Getrocknete Kamillenblüten, 200 ml Heißes Wasser. Die vollständige Schritt für-Schritt-Anleitung findest du im Abschnitt Zubereitung der Monografie.
Für wen ist Kamillentee geeignet?
Ab 6 Monaten (verdünnt). In der Schwangerschaft kann dieses Hausmittel verwendet werden.
Wie lange ist Kamillentee haltbar?
Die Haltbarkeit beträgt Frisch zubereitet sofort trinken. Lagere das Hausmittel kühl und dunkel. Bei Verfärbung, unangenehmem Geruch oder Schimmelbildung sofort entsorgen.

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